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Stolberg Touristik

„Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“

Wir laden Sie ein zum Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr aus aktuellem Anlass ausschließlich virtuell stattfindet. Unter dem aktuellen Motto beteiligt sich die Kupferstadt am Aktionstag (in diesem Jahr der 13. September) mit dem Kupferhof Rosental, der, par Excellance saniert und prächtig präsentiert, mit einem wunderbaren neuen Nutzungskonzept aufwartet. Reisen Sie nun in die Vergangenheit und betrachten Sie das Gebäude von der Entstehungszeit bis heute.

Auf der Homepage des Veranstalters finden Sie die Beiträge anderer Städte und Kommunen, die eines ihrer Denkmale virtuell präsentieren.

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Der Kupferhof Rosental – historischer Abriss

Kupfermeister Johannes Schleicher errichtete 1724 den Kupferhof Rosental und engagierte (angeblich) hierfür den Baumeister Tilman Ruland aus Stolberg-Breinig. Der Bauherr kreierte mit seiner Architektur eine vollkommene Neuheit für die übliche Stolberger Gehöft-Architektur. Die bisherigen, zahlreichen Kupferhofanlagen waren eher einer funktionalen Form verpflichtet, die auf architektonische Finessen und Prunk verzichtete. Kupferhöfe waren typisch Stolberger Messingmanufakturen des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie waren eher schlichte Bruchsteinbauwerke, die innerhalb einer Hofanlage Wohn- und Produktionsstätten vereinigten. Moderne Produktionsmittel, bürgerliche Repräsentation und passive Fortifikation waren in der Bauform pragmatisch kombiniert. Besondere Prachtentfaltung spielte bei den Kupfermeistern, die überwiegend dem reformierten Glauben angehörten, eine untergeordnete Rolle.

Johannes Schleicher beschritt mit der Architektur aus Händen Tilman Rulands in Stolberg neue Wege, denn die erbaute Anlage präsentiert sich als mustergültiges Beispiel eines barocken Wasserschlösschens. Die Produktionsstätten liegen unauffällig abseits und ohne bauliche Verbindung zum Haupthaus; vielleicht waren sie nicht Anlass oder maßgeblich für die Errichtung des Hofes in Stolbergs damaliger grüner Mitte. Der Hof wurde auf freiem Gelände in der topografischen Mitte der damaligen Unterherrschaft Stolberg errichtet. Die alte Landstraße durchs Tal verlief hinter dem heutigen Hof, die heutige Rathausstraße ist als Hauptstraße erst im Zuge der Anlage des Hofes Rosental nach Osten verschoben worden.

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Die Anlage selbst ist in perfekter Symmetrie als typisch barocke Dreiflügelanlage gebaut worden, in der Modesprache der damaligen Zeit mit einem „Corps de Logis“ als zentralem Hauptbau und flankierenden „Communs“, den Seitenflügeln. Sie gruppieren sich hier als Solitäre um den „Cour d’honneur“.

Üblich für Stolberger Kupferhöfe ist die Anbringung des jeweiligen Familienwappens des Eigners über dem Tor der Anlage. Hof Rosental ist der einzige, wo jegliches Wappen der Familie Schleicher fehlt. Die barocke Toranlage trägt eine leere Kartusche und das in Stolberg einzigartige Tympanon des Hauptbaues übernimmt in seiner Symbolsprache in subtiler wie anspruchsvoller Weise die bauherrschaftliche Repräsentation.

Baumaterial war erstmals nicht der übliche Bruchstein aus hiesigen Brüchen, sondern maasländischer Mergelstein in sauber behauener Form mit Gliederungen aus Blausteinquadern. Die Kosten waren damit weitaus höher und die Erscheinung prächtiger, ohne die üblichen unverputzten Gemäuer und das traditionelle gelblich-graue Erscheinungsbild der lokalen Kupferhofanlagen aufzugeben. Dies auch ein subtiler, aber für Zeitgenossen eindeutig lesbarer Anspruch auf Repräsentation von wirtschaftlicher und politischer Potenz. Den zugehörigen, heute leider nicht mehr vorhandenen, Barockgarten legte man rechts bzw. nördlich des Hofes an. Umgeben war das Schlösschen von einem Wassergraben, der mit der Wasserhaltung der Kupfermühlen in Verbindung stand.

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Unter den vielen Stolberger Kupferhöfen nimmt der Hof Rosental eine besondere Stellung ein. Mehrere Dutzend Anlagen waren einst vorhanden und viele sind bis heute als Baudenkmäler existent. Unter den überwiegend reformierten Kupfermeistern war barocke Prachtentfaltung und besonderer Prunk unüblich, da er den Glaubensgrundsätzen widersprach. Johannes Schleicher brach mit der Tradition, die sonst in dieser sozialen Klasse Stolbergs hohen Stellenwert besaß.

Nur zwei weitere Kupferhöfe entstanden zur Bauzeit des Rosentals, die betont traditionell gehalten wurden. Johannes Schleicher als Mitglied der ältesten Stolberger Kupfermeisterdynastie (seit 1575 in Stolberg) reklamierte für sich mit der außergewöhnlichen Architektur, Symbolsprache und Lage einen besonderen Anspruch.

Text: Christian Altena (Studierter Historiker / Bauhistoriker & Stadtarchivar der Kupferstadt Stolberg)