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Die evangelische Kirche im Ortsteil Zweifall

In Zweifall liegt ein Schatz. Das kleine evangelische Gotteshaus an der Apfelhofstraße ist ein Kulturdenkmal. Die Dorfkirche, die 1683 im ehemaligen Jülicher Verwaltungsbezirk „Wehrmeisterei“ entstand, ist reich an Besonderheiten.Materielle und finanzielle Spenden ermöglichten den Bau, Sponsoren sorgten für die Ausstattung. Abendmahlskelch, Weinkanne, Altar und Orgel stifteten königliche und bürgerliche Geldgeber. Ohne Sponsoren läuft nur wenig, gestern wie heute.

Die im Jahre 2000 restaurierte Kirche – Dach, Wände und Inneneinrichtung wurden saniert – ist weiterhin auf die Opferbereitschaft der Gemeinde angewiesen. Ein Blickfang beim Betreten der Kirche ist neben der geschmackvollen Farbgestaltung in Blau / Grau, die mit heraldischen Darstellungen geschmückte Grabplatte des Reitmeisters Hilger Zülpich.

Ursprünglich lag der 1737 gestorbene Zweifaller Eisenproduzent im Altarraum begraben. Bei der Restaurierung wurde die Grabplatte entfernt und im Eingangsbereich unter der Empore aufgestellt. Umbauarbeiten bereiten Überraschungen: Zu den bekannten Grabmälern gesellten sich im Jahre 2000 zwei weitere hinzu. Sie lagen unter dem maroden Holzpodest verborgen. Somit fanden im Kircheninnern zwei Pfarrer und vier verdiente Gemeindemitglieder ihre letzte Ruhestätte. Ein Begräbnis in der Kirche kostete im 18. Jahrhundert etwa 100 Taler. Die Einnahmen flossen in die Kirchenkasse und dienten der Finanzierung von Pfarrer- und Lehrergehältern.

Ein wertvolles Schmuckstück, das nach wie vor genutzt wird, ist der barocke Abendmahlskelch. Der mit Wappen und Inschrift verzierte silberne Kelch wurde 1733 von den Brüdern J. und L. Hegh zur Verfügung gestellt. Sind die Bezeichnungen nur eine andere Schreibweise für die Namen der wohlhabenden Zweifaller Reitmeisterfamilie Hoesch? Ein ungelöstes Rätsel, das die Geschichte der Kirche spannend gestaltet.

Weniger geheimnisvoll präsentieren sich die Stifter von Altarkreuz, Kerzenleuchter, Orgel und Bibel. Altarkreuz und Leuchter, die Mitte der 60er Jahre bei der Ausstellung „400 Jahre evangelisches Leben im Rheinland“ gezeigt wurden, sind ein Geschenk des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III (1770 bis 1840). Spendabel zeigte sich der königliche Mäzen auch bei der Orgel. Zum 1828 gebauten Instrument steuerte der Herrscher 400 Taler bei.

Die Bibel stammt aus den 20er Jahren des 19.Jahrhunderts und ist ein Geschenk der Kölner Bibelgesellschaft. Ergänzt wird die ansonsten schlichte Ausstattung durch edle Materialien. Altar und Taufstein bestehen aus Marmor. Den Altar ersetzte 1910 eine weniger prunkvolle Ausführung in Holz. Das Kunstwerk ist ein Geschenk von Pfarrer August Ewald Berninghaus. Anlass war die Silberhochzeit des Ehepaares ein Jahr zuvor.

Kennzeichnungen erzählen Geschichte: Ein vor zwei Jahren entdeckter Hinweis – bei der Sanierung wurden vom Holzwurm befallene und verfaulte Teile ausgetauscht- verriet das Alter der Kirchenbänke. Sie wurden 1862 vom ortsansässigen Schreiner Willems gefertigt.